Am Talent-Campus St.Gallen ist es längst zur Tradition geworden: Wer den ersten Profi-Vertrag erhält oder sein Startelf-Debüt feiert, kehrt an den TCSG zurück und erzählt von seinen Erfahrungen. Wie unlängst Nino Weibel, der den TCSG 2019 bis 2022 besuchte und in diesen Tagen drauf und dran ist, seinen Platz im Team des FC St.Galle zu erobern.
«Die Schmalen kommen», sagt Hans Gallati lachend, als am Freitagnachmittag kurz nach 15 Uhr die Türe aufgeht und Nino Weibel (19) in Begleitung von Mitspieler Corsin Konietzke (19) und Talentmanager Renato Fusco das Lernatelier betritt.
Der Anlass: Einen Tag zuvor hatte Nino Weibel beim FC St. Gallen seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Ab der Saison 2026/27 gehört der Spieler mit der Trikot-Nummer 66 fix zum Kader der ersten Mannschaft. Bereits am vergangenen Sonntag feierte er im Cup-Halbfinal gegen Yverdon Sport FC sein Startelf-Debüt und stand erstmals über die vollen 90 Minuten auf dem Platz.
Der erste Profi-Vertrag
Wer den ersten Profi-Vertrag erhält oder sein Startelf-Debüt feiert, kehrt an den Talent-Campus St.Gallen zurück, mit einem Trikot in der Hand und erzählt vor versammelter Schar der aktuellen Oberstufen-Jugendlichen von seinen Erfahrungen. Eine sympathische Geste, die in den letzten Jahren zum Ritual geworden ist.
Nino Weibel ist damit in guter Gesellschaft. Die Trikots von Amir Abrashi (GC), Cédric Itten (Fortuna Düsseldorf) oder Julian von Moos (Luzern) hängen an der Wand. Und auch jenes von Corsin Konietzke, der beim FC St.Gallen bereits vor zwei Jahren seinen ersten Profi-Vertrag unterschrieben hat und in der Conference League Furore machte.
Durchbruch
Heute steht Mittelfeldspieler Nino Weibel im Mittelpunkt, flankiert von Corsin Konietzke. Hans Gallati und Nadja Zehnder fühlen den beiden auf den Zahn. Welche Erfahrungen sie an die Nachwuchstalente weitergeben können, wollen sie wissen.
«Nie die Geduld zu verlieren», sagt Nino Weibel. Achtmal sei er im Herbst im Kader gewesen und auf der Bank gesessen, ohne eine einzige Spielminute zu erhalten. Bis es anfangs Dezember endlich klappte und er im Spiel gegen den FC Sion zu seinem Super-League-Debüt kam.
Seither sind zehn weitere Einsätze in der höchsten Schweizer Liga dazugekommen. Dann der Schlüsselmoment: Anfangs April wurde er im Spiel gegen den FC Zürich in der Pause eingewechselt und packte seine Chance. «Technisch, spielerisch und kämpferisch stark, tolle Übersicht, gutes Stellungsspiel, kluge Antizipation»: Die Medien und Fan-Foren waren voll des Lobes, ein neues Talent war entdeckt.
Nicht das Einzige im Leben
«Auf sich aufmerksam machen» – dieses Motto aus dem Coaching ist Weibel geblieben. «Sich zeigen, etwas wagen, aus sich herauskommen», sagt er. Genau das setzt er nun Schritt für Schritt auf dem Platz um.
Auch Corsin Konietzke weiss, wie wichtig Geduld ist. Zwei Verletzungen warfen ihn in dieser Saison zurück, inzwischen ist er wieder fit und voll einsatzfähig. «Es kann schnell in beide Richtungen gehen», sagt er. Und ergänzt: «Fussball ist nicht alles. Es ist wichtig, auch andere Interessen zu pflegen.»
Botschaft an die nächste Generation
Was bleibt, ist mehr als nur ein unterschriebener Vertrag oder ein Debüt in der Super League: Es ist die Botschaft an die nächste Generation, dranzubleiben, Rückschläge auszuhalten und mutig den eigenen Weg zu gehen. Oder, wie es im Lerntagebuch von Nino Weibel stand: die eigene Welt zu erobern – Schritt für Schritt.