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Hans im Glück

19. Januar 2026
Von Mark Riklin


Er taucht unter, hebt den Blick, fährt über Pässe und bleibt in Bewegung. Hans Gallati ist einer, der das Glück erkennt, wenn es sich zeigt – und es weitergibt. Ob als Kind im kühlen Wasser der Badi, als junger Mann an einer Fleischtheke oder als Coach am Talent-Campus St.Gallen: Gallati begeistert, ermutigt und zieht andere mit. Ein Porträt über Haltung, Übergänge und die Kraft, Menschen in Bewegung zu bringen. Eine verspätete Würdigung.

San Bernardino, 1. Juli 2025. Während die einen das Schuljahr gemächlich ausklingen lassen, suchen andere noch einmal die Herausforderung und überqueren auf zwei Rädern die Alpen. So der Talent-Campus St.Gallen, der sich alle drei Jahre dieser legendären Route stellt. Die grösste Prüfung wartet in der Königsetappe von Cazis nach Bellinzona: 100 Kilometer, 1800 Höhenmeter, ein Tag, der Kraft und Willen fordert. Nach drei Etappen und insgesamt 190 Kilometern erreicht die Radtruppe auf 2066 Metern über Meer den höchsten Punkt – den San Bernardino.

Symbolischer Übergang
«Die Jugendlichen lernen in diesen Tagen ihre Grenzen kennen und was es heisst, die Komfortzone zu verlassen», sagt Expeditionsleiter Hans Gallati oben auf dem Pass. Zwei Stürze, ein Kettenriss, ein defektes Schaltkabel, ein platter Reifen – und zahllose wunde Popos gilt es zu überwinden, bevor es auf der Südseite hinuntergeht und der grosse Regen einsetzt. Hans Gallati stürzt dem Regen entgegen, fährt in den Lebenssommer hinein, in Vorfreude auf alles, was kommt. Unten angekommen schreibt er in seinen Status – ausgerechnet an seinem 65. Geburtstag: «Von einem, der als junger Kerl auf einen Berg fuhr und als Rentner runterrollte.»

Dachdecker und Schreiner
Der symbolische Übergang wird zum Anlass, den Jubilar in seinem Daheim zu besuchen. Buhwil, ein malerisches Dorf mit etwas mehr als 300 Einwohnern, rund zwei Kilometer südwestlich von Sulgen. Hierher hat es Hans und seine Familie vor bald 40 Jahren verschlagen. Hier haben sie vor 30 Jahren ihr Haus von Hand gebaut, in dem ihre drei Kinder gross werden konnten.

Hans nahm sich dafür als Reallehrer ein halbes Jahr Urlaub. Nicht, um zu pausieren, sondern um selbst Hand anlegen zu können. Er errichtete die Holzkonstruktion, zog Wände und Böden ein, setzte Fenster, deckte das Dach. Dass ihm vieles gelang, war kein Zufall: Während des Studiums hatte er als Dachdecker gearbeitet, später führte ihn sein «Schreinervater» in die Arbeit mit Holz ein. Die Weiterbildung zum Werklehrer wuchs aus dieser Nähe zum Material fast selbstverständlich heraus. Mit dem Bau des eigenen Einfamilienhauses erfüllte sich ein Traum.
Spuren der Leidenschaft

Bei einem Rundgang durch das Haus wird spürbar, wie viel Zeit, Hingabe und Freude Hans hier investiert hat. An den Wänden hängen Bilder, die er selbst gemalt hat – realistische Malerei, eine weitere Leidenschaft. Malen kann er also auch noch, denken die Gäste, staunend.

Schliesslich nehmen sie an einem grossen Holztisch Platz. Ein Tisch, der mehr ist als ein Möbelstück: Hier sammeln sich Geschichten, Erinnerungen, ausgewählte Szenen aus einem Leben, das von Neugier, Tatkraft und Sinn für das Schöne getragen ist.

Ein erster Begriff von Glück
Badi Kreuzlingen, ein Sommertag wie aus dem Bilderbuch. Der kleine Hans (10) steht im Nichtschwimmerbecken und taucht unter, hinein ins kühle Wasser. Als er wieder auftaucht, blinzelt er der Sonne entgegen. Vor ihm steht ein Mann in einer blauen Badehose, unbeweglich, als gehöre er einfach dazu.

Hans hält inne. Er saugt diesen Moment in sich auf: das leise Plätschern des Wassers, das helle Lachen der Kinder ringsum, den Duft eines unbeschwerten Sommers. Alles ist da, nichts fehlt. Zum ersten Mal spürt er ganz bewusst, was Glück bedeutet.

Es ist dieser Augenblick, in dem man sich selbst vergisst, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Ein Moment reinen Daseins – die leise, frühe Ahnung dessen, was man später einen Flowmoment nennen würde.

Aus euphorischem Holz
55 Jahre später. Wer Hans heute kennt, erkennt in dieser Kindheitsszene bereits den Menschen, zu dem er geworden ist. Einen, der – wie er selbst sagt – «aus leicht euphorischem Holz geschnitzt» ist. Einen, der schnell Feuer fängt, der seine Begeisterung nicht verbirgt, sondern lebt.

Hans ist einer, der das kleine Glück am Wegrand seines Lebens sofort wahrnimmt und ihm Bedeutung schenkt. Einer, der Augenblicke erkennt, wenn sie sich zeigen – im kühlen Wasser eines Sommertages ebenso wie später an einer Fleischtheke…

Ein Liebesanfang wie im Film
Kreuzlingen, vor der Migros beim Emmishofer Zoll. Hans (23) steht mit einem Freund am Traiteur-Stand. Hinter dem Pouletgrill reicht ihm eine junge Frau (19) einen grossen Güggel. Es ist nur eine Bewegung, ein kurzer Blick – und doch weiss Hans augenblicklich: Das ist meine Frau. Minuten später ist er wieder da, mit einem neuen Vorwand, in Wahrheit einzig, um sie noch einmal zu sehen.

In den Tagen darauf wird die Rheinbrücke, welche die Altstadt mit dem Konstanzer Stadtteil Petershausen verbindet, zu seinem täglichen Posten. Hans hält Ausschau nach der jungen Frau mit dem Hochdeutsch, lässt den Blick über Gesichter treiben, über den Verkehr, das Wasser. Er wartet. Er hofft. Vergeblich.

Also bleibt das Ritual: der kurze Abstecher zur Migros, der suchende Blick zum Pouletgrill, das leise Enttäuschtsein beim Weitergehen. Bis ihm eines Tages jemand auf die Schulter tippt. Hans dreht sich um – und blickt in ein offenes, strahlendes Lächeln. Sanne. Ein Liebesanfang wie im Film.

Die beiden zögern nicht lange. Ein halbes Jahr später sind sie verheiratet. Heute, 42 Jahre später, zeigt sich: Manchmal genügt ein einziger Moment, um ein ganzes Leben zu treffen.

Schule ist Fussball

Szenenwechsel. Talent-Campus St.Gallen, nur einen Steinwurf vom Stadion des FC St.Gallen entfernt. Hier lebt Hans Gallati seit 2018 sein Mindset und seine positive Lebenshaltung vor – als Oberstufenlehrer, als Trainer für Koordination und Kraftaufbau, und vor allem als Coach.

Der Fussball begleitet Hans Gallati seit früher Jugend. «Seit den D-Junioren beim FC Kreuzlingen spielte ich Fussball», sagt er. «Er begleitet mich bis heute – als Spieler, als Trainer und als Coach in der Fussballschule.» Diese Konstanz ist mehr als Biografie. Sie ist Beziehung. Eine Leidenschaft, die ihn bis heute mit seinen Schülerinnen und Schülern verbindet – auf dem Platz wie im Schulzimmer.

«Schule ist Fussball und Fussball ist Schule», sagt Gallati. Beides sei untrennbar miteinander verbunden. «Du kannst keinen sauberen Pass spielen, wenn du in der Geometrie schlampig arbeitest. Und jeder Pass – im wörtlichen wie im übertragenen Sinn – hat eine Botschaft.» Gallati philosophiert nicht zum Selbstzweck. Seine Gedanken sind Praxis, täglich gelebt.

Coaching wird am SBW Talent-Campus grossgeschrieben. Im ersten Oberstufenjahr treffen sich Coachee und Coach einmal pro Woche, um Ziele auf persönlicher, schulischer und fussballerischer Ebene zu besprechen. «Verstecktes Training» nennt Gallati dieses Lernen an der Schnittstelle zweier Welten – eine ebenso effiziente wie zeitsparende Methode.

Leitplanken statt Grenzen
Hans Gallati versteht es, Jugendliche zu motivieren, zu ermutigen und ihnen Halt zu geben – in einer Sprache, die sie verstehen. Dem einen zeigt er, wie sich der «Schulterblick» auf die Lernplanung übertragen lässt. Dem nächsten, wie Körpersprache auch im Schulalltag Wirkung entfaltet. Dem dritten, wie man als «Leader» nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Lernatelier Verantwortung übernimmt und Vorbild wird.

Immer mit derselben Haltung: nicht übermütig werden, auf dem Boden bleiben, «den Ball flach halten», wie Gallati sagt. Demütig bleiben – und den nächsten Widerstand suchen, an dem man weiterwachsen kann.

«Coaching ist eine Investition in die Persönlichkeitsentwicklung, in die Förderung der Selbstkompetenz und in die Beziehung», sagt Gallati. Und manchmal frage er sich am Ende des Gesprächs: «Hat jetzt er mich gecoacht oder ich ihn?»

Kein Stillstand
Hans Gallati wäre nicht Hans Gallati, würde er mit dem Erreichen des Pensionsalters einen Schlussstrich ziehen. «Wer von 100 auf 0 Prozent geht, bekommt geschwollene Beine», sagt er lachend. Prozente, davon ist er überzeugt, müssen wie Muskeln abtrainiert werden – langsam, kontrolliert, mit Gefühl. Ein gleitender Übergang in eine neue Lebensphase.

«Ich habe immer pragmatisch versucht, Schwierigkeiten als Herausforderungen zu sehen und ihnen nicht aus dem Weg zu gehen», sagt Gallati. Nichtgelingen habe er nie als Scheitern verstanden, sondern als Teil des Lernens. Diese Haltung prägt sein Denken bis heute – im Beruf, im Sport, im Übergang in eine neue Lebensphase.

So reduzierte er mit 63 Jahren von 100 auf 80 Prozent, mit 64 auf 70, mit 65 auf 50. Auf diesem Niveau möchte er die nächsten ein, zwei Jahre weiterarbeiten. Parallel dazu beginnt er, anderes auf- und auszubauen: die hauseigene Sauna, das Schachspiel, das Rätsellösen mit seiner Frau – ein Dehnen der Gehirnmuskulatur, wie er es nennt.

Für die Zukunft kann er sich vorstellen, Menschen zu begleiten, die sich der Phase der Passionierung nähern: in Fragen von Ernährung, Gesundheit und Bewusstsein. Ideen werden ihm nicht ausgehen. Denn wer gelernt hat, im richtigen Moment aufzutauchen, den Blick zu heben und das Glück zu erkennen, wird auch im nächsten Abschnitt seines Lebens nicht stillstehen.

 

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